Gottesdienst Predigt 21.04.2019

Predigt zu Johannes 20,11–18                Pastor Henning Hinrichs

 

 

 

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

jedes Jahr zu Ostern fragt der Spiegel, was die Deutschen noch glauben. Glauben Sie an Gott: 55 % der Deutschen, den Teufel: 26 %, Wunder: 66%. Und was sie von Ostern halten? Auferstehung, glauben Sie daran? 40 % Wenn man den Spiegel liest, dann wird das immer als Verfallsgeschichte des christlichen Glaubens dargestellt. Ich freue mich eher, dass 40 % aller Deutschen, 53 % der Katholiken, 41 % der Evangelischen und sogar 25 % der Konfessionslosen an die Auferstehung glauben, dies offen bekennen.

Ist Ostern nicht viel wahrscheinlicher ein unglaubliches Geschehen? Wir sagen ja zu etwas, was uns überrascht: das war unglaublich. Es ist passiert, aber es ist so einmalig, dass es schwerfällt es zu fassen. Und warum sollte Auferstehung einem nicht schwer fallen, etwas, dass wirklich ganz von Gott kommt, dass es sonst nicht im Leben gibt.

Vielleicht brauchen die anderen eine besondere Begegnung, um glauben zu können. Im Johannesevangelium wird so eine erste Begegnung des Auferstandenen mit einem Menschen beschrieben. Nicht wie Jesus auferstanden ist, der Vorgang bleibt unerzählt, sondern wie diese erste Begegnung ein Herz erreicht und erfüllt.

Maria von Magdala hatte voller Schrecken festgestellt, dass der Stein vom Grab gewälzt war. Sie denkt, der Leichnam Jesu wurde geraubt, geschändet vielleicht. Sie läuft zu den Jüngern und alle kehren hastig zum Grab zurück. Die Jünger schauen hinein, gehen wieder, Maria aber bleibt, und dann schreibt Johannes:

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!

Steht da schon Ostern in ihrem Herzen, als sie zum Grab zurückkommt? Nein, sie weint über das leere Grab, fürchtet das Schlimmste. Die zwei Engel im Grab erkennt wie vielleicht gar nicht als solche. Mit ihrer Antwort jedenfalls ist sie noch ganz bei sich, bei ihrer Not. Da ist noch keine Osterfreude, die sich ja einstellen könnte, würde man hier auf Engel treffen und sie auch als solche erkennen. An Engel glauben übrigens 40 % der Deutschen.

Stattdessen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und auch Jesus erkennt sie nicht, und das Ganze wiederholt sich, eine aufgescheuchte Seele in der Trauer des Todes, des Verlustes, im Herzen noch ganz Karfreitag. Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen.

Ist das nicht tatsächlich so, dass die Sorgen manchmal so groß sind, dass man den Engel oder Jesus kaum erkennt, der schon längst da ist. Der schon neben mir steht und mir zeigen kann, wie es weiter gehen kann. Wer Leid erlebt, ohne von einer Hoffnung zu leben, der hat so etwas wie einen Tunnelblick. Er kann nur das sehen, was sich in seiner Vorstellung befindet, was er gerade erlebt, was da immer wieder kreist, dieses Schwere, diese Dunkelheit, nichts anderes gibt es da. Man steckt fest in der Trauer, weil man sich nichts anderes mehr vorstellen kann. Wo ist er? Hast du ihn weggetragen? Ich will ihn zurückholen, den Leichnam, das Grab, er muss zurück ins Grab der Leichnam, er ist tot, und ich trauere.

Das geht manchmal so weit, dass man blockiert ist für einen Neuanfang. Ihn eigentlich gar nicht will. Die Trauer ist zur Aufgabe geworden. Man hat sich eingerichtet, nicht mehr mit Gott rechen zu müssen. Bleiben Menschen so sehr an Gräbern stehen, dass sie das Leben verpassen? Ist es einfacher, etwas Gewohntes zu suchen? Bei etwas Vergangenem zu bleiben? Finde ich meine Gedanken über Gott, auch die ablehnenden, plausibler als die Möglichkeit, ihn zu erleben?

Ich weiß nicht, wie Jesus auferstanden ist, kann ich nichts zu sagen, so wie die Evangelien es auch nicht tun. Auferstehung ist eine Überraschung, die alle unsere Vergleichsmöglichkeiten und Sinne übersteigt. Alle Bilder, die gebraucht werden, um Auferstehung zu verdeutlichen, ein Schmetterling, der aus der Verpuppung kommt. Ein Küken, das aus dem Ei schlüpft. Ein Lichtstrahl, der am Morgen die Wolken durchbricht. Eine Knospe, die aufbricht und die Blüte hervorbringt, das sind alles schöne Bilder, die neues Leben symbolisieren. Da war vorher nichts wirklich tot. Es sind leider nur Bilder, Krücken, für etwas, das sich nicht beschreiben lässt. Suchbilder, die niemanden von der Auferstehung überzeugen.

Und in der Geschichte? Überzeugend ist nur eine Sache, nur ein Wort, das Jesus sagt: „Maria.“ Erzählt wird von einer Begegnung, der Erfahrung, ganz persönlich gemeint zu sein von einem, der lebt, der nicht am Tod klebt. Der Erfahrung, dass Jesus immer noch oder schon längst da ist, mich kennt und mich ganz persönlich meint. In dieser Sekunde wird Maria aus der Klebrigkeit ihres Todeswelt herausgelöst und zurück in ihr Leben geführt. Jesus ist nicht mehr der Tote, er ist wieder Rabbuni, mein Meister, einer, der sie leben lehrt.

Manchmal sagen mir Menschen: Ich habe das schon mal probiert mit Gott. Das war nichts für mich. Oder sie gehen so in einen Gottesdienst: Mal sehen, was uns heute geboten wird. Das ist so distanziert, wie soll sich da eine Begegnung einstellen! Das Hauptproblem heute ist vielleicht, dass Menschen so wenig auf der Suche sind, dass sie wie in einem Tunnel immer nur mit dem rechnen, was sie sowieso schon kennen.

Vielleicht sind deshalb nur noch Filmreihen in Kinos erfolgreich: Star Wars 1 – 9, Mission impossible 1 – 6, Jurassic Park 1 – 5 usw. Dann steuert man MacDonalds in Frankreich an, wo das Essen wie in Deutschland schmeckt - da weiß man, was man hat, aber es überrascht einen auch nichts mehr. Soll es auch nicht.

Wer sich nicht überraschen lässt, sich nicht auf Unbekanntes einlässt, der verkümmert. Wer nicht mehr sucht, der findet auch nichts. Wer sich nicht ansprechen lässt, wird anspruchslos und arm.

Jesus fragt: Wen suchst du?

Zu Ostern laden wir Kinder ein, Ostereier zu suchen. Jeder Gottesdienst, nicht zur zu Ostern, aber besonders zu Ostern, ist doch eigentlich ein Gottesdienst für Suchende. Ich kann ja Gott nicht sehen. Ich kann Gott nicht hören. Aber ich suche ihn. Ich bin ein Gottsucher. Und irgendwann sagt Jesus: „Maria“, oder „Kaycie“, „Elli“, „Malin“, „Mike“, „Peter“, „Nina“ – euren Namen, Ihren Namen, und dann vertraust du, glaubst du, dass er auferstanden ist. Wenn er deinen Namen spricht, wenn du merkst, dass er dich meint, zu dir kommen will, schon längst da ist.

Bis zu dem Zeitpunkt ist Maria eine einsame Frau am Grab ihrer Hoffnung, die weint. Abgewandt von den himmlischen Boten, von denen sie keine Antwort erwartet. Aber dann. Diese eine Sekunde verändert ihr Leben. Dieser Moment. Das eine Wort - ihr Name. Jetzt läuft sie zu den anderen Jüngern, selbstbewusst, wie ins Leben zurückgekehrt, und ruft: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

Wenn Jesus lebt, dann wird er Dich bei Deinem Namen rufen! Wenn es den ewigen Gott gibt, dann sind ihm 8 Milliarden Menschen nicht zu viel, um jeden einzelnen zu kennen und beim Namen rufen zu können. Jesus meint Dich als Person, mit Deiner unverwechselbaren Biographie. Mit Deinen Mängeln und Stärken.

Das erfährt man in der Taufe zuerst: Er meint mich! Das entdeckt man in der Begeisterung anderer, die fragen lassen: Warum ist sie so fröhlich, so erfüllt. Woran glaubt sie?

Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala geht und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.

Maria wird die Apostelin der Apostel genannt. Sie ist die erste Augenzeugin Jesu, die den Jüngern Jesu die Botschaft von der Auferstehung bringt und damit vervielfacht sie ihre Lebenserfahrung mit Jesus hundertfach.

Ich bin schon sehr gespannt, was Einzelne unter uns heute noch weitergeben. Wenn Du heute von Glaubens. Von Auferstehungserfahrungen erzählst, im Alltag mutig bist, anderen von deinen Erfahrungen zu erzählen, ermutigt es andere, Gott zu suchen und es stärkt andere, ihr Vertrauen zu Gott nicht aufzugeben, gerade wenn jemand noch weint und keine Hoffnung hat.

Ostern beginnt immer wieder neu mit dir, dass du angesprochen wirst und losläufst.

Und der Friede Gottes, der größer ist als unsere Vernunft, bewahre unser Herzen und Sinne in Christus Jesus, unseren Herrn. Amen.

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