Gottesdienst Predigt 16.06.2019

Predigt zu 2. Korinther 13,11–13 - Pastor Henning Hinrichs

 

 

 

 

Noch einmal, das wissen Sie ja schon, liebe Gemeinde:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Ja, aller guten Dinge sind drei. Und doch ist es schwer zu verstehen, wie für Gott gelten soll: 1 + 1+ 1 = 1. Eigentlich lernt jedes Kind: 1 + 1+ 1 = 3. Diesen Widerspruch drückt ja schon der Name aus: Dreieinigkeit. Wir glauben an den dreieinigen Gott. Und deshalb hat unser Glaubensbekenntnis auch drei Teile, sogenannte drei „Artikel“: Auf dem Zettel können sie das ja schön sehen.

Da ist Gott 1. der Schöpfer allen Lebens, da ist Gott 2. der, der in seine Schöpfung gekommen ist, einen Weg mit und für die Menschen gegangen ist bis hin zu Tod und Auferstehung, und schließlich ist da Gott 3. der, der im Geist weiter in seiner Schöpfung wirkt, in der Kirche, in der Gemeinschaft und ganz neues Lebe schenkt, immer wieder und schließlich ewig.

Wir glauben an Gott als den Schöpfer, den Erlöser und den Vollender. Wir erleben in ihm den Ursprung und die Quelle aller Dinge und allen Wesens, der sichtbaren und unsichtbaren Kräfte und Gewalten; wir erleben ihn als Herrn und gleichzeitig als den Bruder, in dem wir die Güte des gemeinsamen Vaters im Himmel erkennen, wir erfahren ihn als den Weg, die Wahrheit, ja als das Leben, erleben ihn als unseren Erlöser von Schuld, Not und Tod, ja als Überwinder des Todes; wir erfreuen uns an ihm als Geist aus Gott, lebendiges Feuer in unseren Herzen, als Freiheit, Hoffnung und Zuversicht, als Überwinder von Streit und Hass, als Friedensstifter, als Liebe.

Diese Vielfalt kann man vielleicht nur ausdrücken, wenn man die logisch widersinnige Rechnung aufstellt: 1 + 1+ 1 = 1. Leben ist vielfältig, weil Gott vielfältig ist und Gott vielfältig erleben kann.

In dem Roman: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ versucht Pfarrer Ferguson dem Romanhelden Allan Karlsson noch in der Gefängniszelle die Dreieinigkeit Gottes zu erläutern. Doch die Antwort ist schroff: „Von allen Einigkeiten auf dieser Welt interessiere ich mich für die Dreieinigkeit wahrscheinlich am allerwenigsten’, betont Allan Karlsson.

Dreieinigkeit – Trinitatis – , so scheint es, liebe Gemeinde, ist für viele Menschen kein Thema, das sie wirklich interessiert, noch nicht einmal, wenn sie in der Todeszelle sitzen und vielleicht um den rechten Glauben bangen, der ihnen das Tor zum ewigen Leben öffnen könnte. Warum eigentlich ist Dreieinigkeit kein Thema, warum fristet „Trinitatis“ ein solches Schattendasein als Fest in unserer Kirche, obwohl wir doch alle Sonntage nach diesem Sonntag nach diesem Fest zählen – in diesem Kirchenjahr sind das immerhin 20 Sonntage, immer wird es heißen: „… nach Trinitatis“? Warum ? – Wo wir doch sagen: „Aller guten Dinge sind drei“.

Vielleicht liegt es darin, dass Menschen überhaupt verloren haben, nach Gott zu suchen. Das war vermutlich nie anders, schon in den ersten Geschichten der Bibel wird diese Gottvergessenheit beschrieben, dieser menschliche Drang, alles selbst entscheiden und richten zu wollen. Diese zutiefst menschliche Vorstellung: Ich kann es selbst und alles gehört mir. Die ganze Bibel ist voll von solchen Geschichten, die Weltgeschichte ist eine Geschichte diese menschlichen ICH an erster Stelle, oder auch Wir, wir Weißen, wir Männer, wir, nicht die. Ich, nicht Gott. An allen Menschen gemachten Katastrophen kann man diese Vorstellung sehen: Ich steh, manchmal wir stehen an erster Stelle – das ist nicht erst bei der so genannten Klimakatastrophe so. Und wenn wir hier in Predigten von Sünde sprechen, dann meint das nicht als erstes irgendwelche schlechten Taten, sondern genau diese Gottvergessenheit, diese selbstgewählte Trennung von Gott und die Vorstellung: Ich stehe an erster Stelle. Ich bestimme, was ist.

Die Vorstellung der Trinität, der Dreieinigkeit Gotten zeigt, wie sehr Gott in allen Bereichen menschlichen Lebens wirkt, er schafft, er versöhnt, er vollendet. Gott begegnet überall. Wenn ich die Augen öffne, mich darauf einlasse, dann sehe ich es – und dann lebe ich mein Leben auch anders. Wenn Gott der Schöpfer ist, wie gehe ich dann mit dieser Schöpfung um? Wenn Gott die Menschen mit sich und untereinander versöhnen will, wie gehe ich dann mit meinen Fehlern und denen anderer um? Wenn Gott lebendiger Geist ist, wie versuche ich ihn zu spüren als Kraft und Leben in mir und mein Leben zu bewältigen?

Trinität ist keine irgendwie theologisch abgedrehte Spinnerei, sie will mir zeigen, wie sehr mein Leben von Gott umgeben ist. Sie will mir die Augen öffnen und mir Zuversicht geben. Alles in meinem Leben ist gottdurchflutet.

Jemand hat die Dreieinigkeit mal mit den Aggregatszuständen von Wasser verglichen. Wir erleben Wasser in drei Zuständen: flüssig als See etwa, fest als Eis und gasförmig als Wasserdampf. Aber es ist immer das eine Wasser. Und jeder Zustand hat eine Funktion, und ist wichtig für das Leben auf diesem Planeten.

Wo die Trinität Gottes im Glauben verloren geht, wird der Glaube einseitig, Lebendigkeit geht verloren, Gemeinde verarmt. Dann gibt´s nur noch einen irgendwie gearteten „Schöpferglauben“, also Gott hat die Welt geschaffen, aber dann überlässt er sie sich selbst, wie ein Uhrmacher, das Uhrwerk läuft dann von selbst weiter.

Oder eine irgendwie geartete Jesusfrömmigkeit, die in ihm nur den besonderen Menschen sieht, zwar einen überaus inspirierenden coolen Typen, aber doch austauschbar, morgen ist es dann Che Guevara, der die Welt befreien soll, oder Gandhi oder Justin Bieber.

Oder sowas wie eine irgendwie geartete Geistfrömmigkeit, die sich bei bestimmten Menschen nur ereignet, wo dann wunderbare und seltsame Dinge passieren, Heilungen, Visionen, Offenbarungen, voll krass, aber eben auch abgedreht und exklusiv, entweder hast du den Geist oder du gehörst eben nicht dazu.

Wenn Glaube nur einseitig wahrnehmbar ist, nur den Schöpfer, nur den besonderen Menschen, nur den Geist sieht, dann ist es ein kleiner Schritt, diesen eingeengten Glauben auch wieder zu lassen und nur noch sich selbst zu sehen. So wie man, wenn man bei der Kindervorstellung Gottes als eines netten Opas mit Rauschebart stehen bleibt, daran als Erwachsener nun wirklich nicht mehr glauben kann – und gar nicht auf die Idee kommt, dass vielleicht nicht Gott, sondern meine Vorstellung falsch sein könnte.

Wer den Glauben verliert, landet immer bei sich selbst. Wer hinterfragt sich schon gerne selbst? Schon gar nicht heutzutage. Wenn ich es nicht mehr schaffe, meine Vorstellungen zu hinterfragen, auch anderes, eben auch Gott zulassen zu können, dann bin ich mir selbst überlassen. Selbst wenn ich mir eine Gruppe suche, die genauso denkt und lebt wie ich. Es ist ein Leben in einer Blase, einseitig, in einer Parallelwelt, wie wir das heute so oft erleben. Das kann manchmal gut gehen, aber irgendwann kommt auch der Punkt, wo der eine Lebensinhalt zerbricht, und dann die Einsamkeit spürbar ist, wenn ich allein mit mir selbst bin, wenn die Erfahrungen und Tage nicht mehr gefüllt sind von Bedeutung und Sinn, wenn ich mein Leben erlebe wie in einer Raumschiffkapsel in den unendlichen leeren Weiten des Universums.

Glaube ist ein lebendiger, die ganze Fülle des Lebens erlebender Glaube – er lebt vom Reichtum des einen Gottes, der unsere Vorstellungen übersteigt und doch unser Leben füllt, zu jeder Zeit, an jedem Ort, in guten wie in bösen Tagen. Ich bin nicht allein mit mir selbst.

Deshalb gilt: Aller guten Dinge sind drei: die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes ist mit uns allen! Amen.

Und der Friede Gottes, der größer ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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