Gottesdienst Predigt 07.07.2019

Predigt zu 1. Timotheus 1,12–17 – Pastor Henning Hinrichs

 

 

 

 

Liebe Gemeinde,

der Koreakriegsveteran und ehemalige Ford-Mitarbeiter Walt Kowalski, dessen Weltbild von rassistischen Vorurteilen geprägt ist, wohnt in einer Detroiter Vorstadtsiedlung, an der der Niedergang der Autoindustrie seine Spuren hinterlassen hat. Viele Nachbarn sind in bessere Wohngegenden gezogen. Sie fahren keine amerikanischen Autos mehr, sondern japanische Fahrzeuge. Das verärgert Walt, denn er sieht „amerikanische Ideale“ zusehends gefährdet.

Vor wenigen Tagen musste er seine Frau beerdigen. Er selbst, das erfährt er später, hat einen tödlichen Tumor in sich. Im Gegensatz zu ihr ist er nicht gläubig. Pater Janovich, der Walts sterbender Frau versprochen hatte, ihn zur Beichte zu bewegen, bekommt das unmissverständlich zu spüren. Kein Platz für Gott in Walts Welt. Viele in den letzten Jahren eingewanderte Chinesen wohnen jetzt in Walts Nachbarschaft, was dem rassistischen Kowalski, der sie konstant als „Schlitzaugen“ bezeichnet, missfällt.

Und dann passiert es: Der chinesische Nachbarsjunge Thao versucht, um in eine Gang aufgenommen zu werden, Walts 72er Ford Gran Torino Sport zu stehlen. Walt verhindert den Diebstahl und später, mit dem Gewehr im Anschlag, einen weiteren Übergriff der Gang auf Thao selbst. Und damit wird er ungewollt zum Helden des Viertels. Seine chinesischen Nachbarn bringen Essen und Blumen auf Walts Veranda. Walt wehrt sich jedoch zunächst vehement gegen diese Dankesbekundungen, indem er die Geschenke in den Müll wirft. Als Walt zufällig eine erneute Gewalttat verhindert, wird er aus Dank zu einer Familienfeier ein. Da der Witwer schon lange nichts Richtiges mehr gegessen hat und sein Bier ebenfalls zur Neige gegangen ist, willigt er ein und besucht die Feier.

Zwischen Kowalski und Thaos Familie entwickelt sich nach einiger Zeit ein freundschaftliches Verhältnis. Als seine Thaos Mutter erfährt, dass er den Gran Torino stehlen wollte, zwingt sie Thao, seine Schuld bei Walt abzuarbeiten, um die Ehre der Familie wiederherzustellen. Walt lässt Thao die Schäden an den Häusern in der Nachbarschaft ausbessern, da er nicht weiß, was er sonst mit dem Jungen anfangen soll. Bald kommen sich die beiden näher, und Walt, der zunehmend zum Vorbild für den Jungen wird, ermuntert Thao, eine regelmäßige Arbeit anzunehmen. Er vermittelt ihn an einen befreundeten Bauleiter. Da Thao keine Werkzeuge besitzt, schenkt Walt ihm einige.

Als Thao auf dem Rückweg von seiner Arbeit ist, wird er von der Gang erneut überfallen. Am Ende drückt ein Gangmitglied eine brennende Zigarette auf seiner Wange aus. Walt erkennt, dass Thao keine Chance hat, solange die Gang freies Spiel hat. Er triff persönliche Vorbereitungen: jetzt legt er seine Beichte bei Pater Janovich ab, kauft einen Maßanzug, sperrt Thao in seinen Keller ein, um ihn vor einer unbedachten Handlung zu schützen und die Sache allein zu Ende zu bringen. So stellt er sich vor das Haus der Gang und provoziert sie. Als seine Bitte nach Feuer für seine Zigarette unerwidert bleibt, greift er demonstrativ in die Innentasche seiner Jacke. Da die Gangmitglieder befürchten, dass er ebenfalls eine Waffe zieht, nehmen sie ihn unter Beschuss. Doch er zieht lediglich sein Feuerzeug. Walt stirbt unbewaffnet im Kugelhagel an Ort und Stelle, die Gang-Mitglieder werden von der Polizei festgenommen werden. Ein Polizist erklärt Thao, dass die Gangmitglieder nun für viele Jahre ins Gefängnis kommen, weil es viele Zeugen des Mordes gab.

Zur Überraschung seiner Familie vererbt Walt der katholischen Kirche sein Haus, mit der Begründung, dass seine Frau es so gewollt hätte, und Thao seinen Gran Torino.

Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben. Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Das ist gewisslich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als Erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.

Manchmal passiert das ja wirklich, dass einer sich um 180 Grad dreht und seine Bestimmung erst jetzt, so völlig anders findet. So beschreibt es der Apostel Paulus von sich selbst. Er hatte ja, da hieß er noch Saulus, die ersten Christengemeinden verfolgt, versucht, diese neue Bewegung auszulöschen. Und dann ist ihm der auferstandene Christus begegnet, damals in Damaskus. So eindrücklich, dass das geradezu sprichwörtlich geworden ist. „Damaskus-Erlebnis“ nennen wir das, wenn jemand plötzlich komplett neu anfängt, seine vorherigen Meinungen ändert, sein Leben und seine Aufgaben völlig anders sieht.

So wie Walt Kowalski in dem Film „Gran Torino“. Vom Rassisten zum Beschützer der vorher von ihm verachteten Chinesen in seinem Viertel. Dafür ist er sogar bereit, sei Leben, das eh bald in Schmerz und Krankheit enden würde, zu opfern. Walts Damaskus-Erlebnis, Vom Saulus zum Paulus.

Nun ist ihm nicht so offensichtlich wie bei Paulus Christus erschienen, in der Geschichte, in unserer Welt läuft das anscheinend undeutlicher, langsamer und erst vom Ende her erkennbar ab. Aber im Rückblick muss da wohl doch Gott irgendwie am Werke sein, wenn solch einer dann doch anders wird. Und das merkt er jetzt, als er zur Beichte geht. Gott ist im Spiel, und er hat mit ihm, Walt Kowalski, selbst mit ihm, diesem verknöcherten und rauen Walt Kowalaski etwas vor.

Wir haben es ja eben bekannt mit den Worten Bonhoeffers: Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Walt Kowalski beichtet, betet, setzt sich für die Schwachen ein. Wer hätte das gedacht! Vielleicht steht es mit unserer Welt dann doch nicht so schlecht, wie so viele meinen, wenn wir Gott ein bisschen mehr zutrauen und uns aus diesem Zutrauen heraus selbst anstecken lassen.

Gott wartet auf uns. In Damaskus, Detroit und selbst in einem kleinen Kaff bei Lüneburg. Amen.

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