Gottesdienst Predigt 1. Konfirmation 2019

Predigt zu Johannes 20, 24-31       Pastor Henning Hinrichs

 

 

 

 

 

Die Gnade unseres Herr Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe KonfirmandInnen, liebe Eltern, PatInnen, Familien, liebe Gemeinde,

80 %, das hat eine Befragung 2014 in der Schweiz ergeben, 80 % der Konfirmanden und Konfirmandeninnen sind zufrieden mit ihrer Konfirmandenzeit. Also mal runtergebrochen auf Euch: 17 von euch sind demnach zufrieden, vier sind es nicht. Wer wohl diese vier von euch sind? Lass mal überlegen….

Aber keine Sorge, ich weiß es nicht, ich überlege es noch nicht mal, denn viel wichtiger ist doch die Frage: Woran könnte es liegen, dass jemand unzufrieden oder zufrieden ist mit dieser Zeit, mit der Kirche überhaupt?

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Konfirmandenunterreicht oftmals eine geringere Chance hat, wenn nicht schon vorher, in den Jahren davor so etwas wie erste Berührungspunkte gelegt worden sind, etwa das Abendgebet zuhause, der christliche Kindergarten, Kinderfreizeiten, Kinderbibelwoche. Ansonsten wirkt Kirche wie der Besuch eines Raumschiffs von Außerirdischen, fremd und ziemlich seltsam. Wie war das bei euch? Gab es das irgendwie?

Und dann wird, und das macht es erst richtig schwer, dann wird Religion heutzutage, nicht nur bei Jugendlichen, bei den meisten Menschen als ein Programm neben anderen gesehen, unter denen man eben auswählt. Das war mal anders. Früher gehörte es dazu, weil man davon ausging, dass jeder und jede eine Beziehung zu Gott hätte, manchmal unterentwickelt vielleicht, aber doch vorhanden. Glaube war etwas wie zwei Augen, eine Nase, wie eine Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen zu haben. Es gehöre zum Menschsein dazu.

Religion, Kirche, Glaube sind heute in der Vorstellung vieler Programmpunkte wie im Fernsehen verschiedene Sender neben anderen, manche mag man, manche nicht. Ob man nun lieber ins Theater geht, ins Kino, in einen Sportverein, Feuerwehr oder eben in die Kirche, Menschen sind heutzutage Zapper, mit einer inneren Fernbedienung, sie zappen sich durch das Programm, auch durch verschiedene Kirchen durch, die einem eben gefallen. Also muss Kirche, Konfirmandenunterricht attraktiv sein, damit man es gut findet.

War das so bei euch? Gab es interessante Themen oder sympathische Teamer, nicht allzu tattrige Diakoninnen und Pastoren, genug zum Lachen und auch mal etwas Tiefe, eine coole Konfirmandenfahrt? Die coolen Dinge, die mir einfallen: Lilly wurde getauft im Plöner See, und es war saukalt. Psalm 23 hat euch bei einer Rallye um den Plöner See begleitet und wir wären fast von der Halbinsel gefegt worden. Manche haben grandios beim Krippenspiel geglänzt, für manche Besucher eines der besten Krippenspiele ever! Vielleicht war es wirklich manchmal richtig groß in dieser Zeit.

Aber wie auch immer, nach der Konfirmandenzeit reicht es erst einmal, oder? Es ist ja auch, wie es ist, man sieht Konfirmanden nach dem Unterschriftensammeln doch recht selten bis nie in der Kirche. Aber, lieber Kirchenvorstand, liebe Dauerbesucher, das ist normal. War bei mir, bis ich mit ca. 16 Jahren das erste Mal zu einer Jugendgruppe gegangen bin, auch nicht anders. Wichtig ist nicht unbedingt, so die Studie aus der Schweiz, ob jetzt alle weiterhin zum Gottesdienst kommen. Das wäre schön, ist aber unwahrscheinlich.

Wichtig ist, dass Kirche in dieser Zeit nicht dieses außerirdische Raumschiff geblieben ist, sondern dass man Lust hat, später etwa kirchlich zu heiraten, seine Kinder taufen zu lassen, vielleicht wirklich mal zum Gottesdienst zu gehen - sie sind besser als ihr Ruf, besonders hier in Reppenstedt -, dass Glauben Sinn für einen macht, dass man bereit ist, in der Kirche zu bleiben und einem die Kirchensteuer wert ist, damit diese Kirche hier Menschen, denen es nicht so gut geht, helfen kann, dass Kindergärten, diakonische Einrichtungen für Notleidende unterstützt werden. Bei mir sind es übrigens 43,36 € Kirchensteuer. Also umgerechnet 4 x Pizza Funghi vom Pizza-Bringdienst.

Habt Ihr das mitbekommen, erfahren, diese persönliche Bindung? Dass das hier kein Raumschiff ist, sondern ein Ort, an dem man sein kann, sogar gut sein kann?

Zwei Dinge sind dafür noch wichtig. Das eine ist die Gemeinschaft, die man erleben kann. Zur Gemeinschaft, besonders auch als Teamer oder Teamerin, werden Fenja und Kathrin noch etwas sagen. Das andere ist der Glaube. Und zum Glauben stelle ich euch heute jemanden vor.

Wir befinden uns im Jahre 33 n.Chr. Allen Jüngern war der auferstandene Jesus gerade erschienen... Allen Jüngern? Nein! Ein von unbeugsamen Zweifeln erfüllter Jünger mit Namen Thomas, der nicht dabei gewesen war, hörte nicht auf, dieser Vorstellung von der Auferstehung Widerstand zu leisten. »Erst muss ich seine von den Nägeln durchbohrten Hände sehen; ich muss meinen Finger auf die durchbohrten Stellen und meine Hand in seine durchbohrte Seite legen. Vorher glaube ich es nicht.«

Natürlich kommt Jesus dann doch auch zu ihm, fordert ihn sogar auf, ihn genau an diesen Wunden zu berühren, aber die Pointe ist nicht, dass Thomas ihn nun doch sieht und berührt und an die Auferstehung glaubt. Die Pointe liegt in Jesu Worten: »Jetzt, wo du mich gesehen hast, glaubst du. Glücklich zu nennen sind die, die nicht sehen und trotzdem glauben.«

Das ist die Aufgabe in diesen Konfirmandenjahren gewesen, das wird sie für euch in den folgenden Jahren sein. Auch wenn die Konfirmandenzeit jetzt vorbei ist. Zu glauben, was man nicht sehen, nicht hören, nicht fühlen, nicht schmecken kann. Dabei ist Zweifel, wie bei Thomas, erlaubt, manchmal sogar notwendig. Aber letztlich muss man diesen Schritt bereit sein zu gehen.

Glauben heißt ja: Vertrauen, obwohl ich nichts sehe oder beweisen kann, auf Gott in meinem Leben zu vertrauen, weil ich manches, was ich höre, was ich erlebe auf Gott hin deute. Bereit sein zu denken: Dass ich lebe, dass ich Kraft habe, dass ich fröhlich bin, dass ich Trost finde und wieder aufstehe, wenn ich gefallen bin, das hat mit Gott zu tun. Mein Leben hat mit Gott zu tun.

Manchen wird das nicht gelingen, weil anderes dann doch wichtiger genommen wird, weil sie vielleicht bei dem Thomas-Satz stecken bleiben: Was ich nicht sehe, das glaube ich nicht. Oder: Ich brauche keinen Gott. Ich kann alles selbst.

Glaube hat etwas von einer Wette, an der man teilnimmt, ob man will oder nicht. Nach welcher Seite werden wir uns neigen? Zum Glauben oder zum Unglauben? Man kann Gott nicht beweisen, ihn auch nicht widerlegen. Es muss gewettet werden. Geglaubt werden. Erst am Ende kommt die Auflösung. Der Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal sagte dazu: Wette denn, dass es Gott gibt, ohne dich lange zu besinnen. Wenn du gewinnst, gewinnst du alles, wenn du verlierst, verlierst du nichts. Es gibt ein ewiges glückliches Leben zu gewinnen.

Darum geht es. Versucht es mit dem Glauben, liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen, besonders nach der Konfirmandenzeit. Es gibt ein ewiges glückliches Leben zu gewinnen.

Und der Friede Gottes.... Amen.

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